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Information zum PRESSEFRÜHSTÜCK am 19.4.2017, 09:30 Uhr

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Ärztekammer Präsident Dr. Thomas Szekeres

Primary Health Care: Auf dem Rücken von Arzt und Patient?

Gute Primärversorgung an 7 Tagen/Woche könnte es längst geben, wie das Beispiel einer Gruppenpraxis in Wien zeigt. Woran also scheitert es bis dato? Warum müssen Patienten mit akuten Beschwerden am Wochenende und an Tagesrandzeiten über Gebühr leiden?

(Wien, 19. April 2017) Die Mehrheit der Österreicher schätzt unsere Gesundheitsversorgung – noch – gut ein. So die Ergebnisse einer kürzlich von der Ärztekammer beauftragten Umfrage des Hajek Instituts. Auf den gewohnten Hausarzt wollen gar 95% der Befragten keineswegs verzichten.

Heikel wird es allerdings, benötigt man am Samstag oder gar am Sonntag oder zu Tagesrandzeiten ärztliche Hilfe. Um die Betreuung der Patienten zu optimieren und umfassender zu gewährleisten, plant der Gesetzgeber bekanntlich so genannte Primärversorgungseinheiten (PHC - Primary Health Care) zur Entlastung der überfüllten Spitalsambulanzen. Die im PHC arbeitenden Mediziner sollen durch den organisatorischen Zusammenschluss administrativ entlastet sein, wodurch mehr Zeit für den einzelnen Patienten bleibt. So weit so gut. Allerdings scheitert die flächendeckende Einrichtung der PHCs an der Bereitschaft niedergelassener Kassenmediziner, Wochenend-Leistungen zu den bisherigen, unbefriedigenden Bedingungen zu erbringen.

Die Wertschätzung bleibt auf der Strecke

„Ab Samstagmittag zahle ich für meine Mitarbeiter 50%, am Sonntag 100% Stundenzuschlag. Und die Kasse erstattet mir dafür nicht einmal einen Cent zurück“, schildert Dr. Friedrich Weiser, Gründer und Miteigentümer der kassenärztlichen Gruppenpraxis „Medico Chirurgicum“ in Wien, Alt-Erlaa die Situation. Trotzdem sind er und Praxispartner Dr. Halkawt Al- Mufti seit der Gründung vor 10 Jahren Wochenende für Wochenende für ihre Patienten da, die mit akuten Bauchkrämpfen, starker Übelkeit, akutem Durchfall oder Koliken rasche ärztliche Hilfe und Untersuchungen benötigen. Friedrich Weiser: „Es geht nicht primär um mehr Geld, sondern einfach um Wertschätzung dafür, dass wir die Spitalsambulanzen entlasten. Dann würden wohl die Honorare fairer werden.“

Das Letztgesagte dürfte auch Hauptgrund dafür sein, warum österreichweit bis dato so wenige Gruppenpraxen mit 7-Tage/Woche-Dienst gegründet wurden. „Ein großes Hoffnungsgebiet könnte die jüngere Ärztegeneration sein, die Kooperation und flexibel gestaltbare work-life-balance anstrebt und bereit ist, sich im Team über die Präsenz zu Randzeiten verbindlich zu koordinieren und abzustimmen“, gibt sich Patientenanwalt Bachinger zuversichtlich. Wichtiger Nachsatz: „Wenn Wertschätzung und Honorierung endlich in einem gesunden Verhältnis zum überproportionalen Einsatz für den Patienten stehen!“

Dass dies nach Jahren des Stillstands in absehbarer Zeit Realität werden könnte, bezweifelt nicht nur der Wiener Ärztekammer-Präsident Prof. Thomas Szekeres: „Allein Wien würden wir 300 Kassenärzte mehr benötigen, österreichweit sind es

1.400. Allerdings werden sich zu den Kassenkonditionen, zu denen etwa das Medico Chirurgicum am Wochenende arbeitet, kaum Ärzte finden, die zur Gründung eines Primary Health Care-Centers bereit sind.“

„Wettbewerb ja, aber nicht zulasten der Qualität“

Wird man daher – dem aktuellen Gesetzesentwurf zum Trotz - doch auf gewerbliche Investoren zurückgreifen müssen? „Diese“, so der Wiener Ärztekammer-Präsident, „werden naturgemäß Gewinne sehen wollen. Gewinne bedeuten Einsparungen, und diese dürfen nicht auf dem Rücken der niedergelassenen Ärzte oder Patienten erfolgen.“

Welchen Einfluss hat dann der im Primärversorgungszentrum arbeitende, einzelne Arzt darauf und wer wird die Vertragsverhandlungen mit den Kassen führen? Eine klare Regulierung scheint daher dringend nötig, um kein unbeschränkt freies Spiel der Kräfte zu erzeugen. Für Patientenanwalt Gerald Bachinger steht fest: „Wettbewerb: ja, aber! Die einzelnen Primärversorgungszentren sollen in punkto Qualität wetteifern, aber keineswegs über den Preis. Denn das würde unweigerlich die Betreuungsstandards für Patienten senken. Wollen wir das?“

Ideen zur praxisgerechten Umsetzung

Ein Hoffnungsgebiet sieht Gerald Bachinger in vermehrten Initiativen niedergelassener Ärzte, wie es etwa in der Gruppenpraxis Medico Chirurgicum schon umgesetzt ist. Weiters ließen sich durchaus Rechtsträger in Wien und in den Bundesländern finden, die ihre bestehenden Strukturen (z.B. Interdisziplinäre Aufnahmestationen in den öffentlichen Krankenanstalten) ausbauen, um direkt unter der Organisation eines Krankenhauses ein Primärversorgungszentrum anzubieten. Gerald Bachinger: „Das würde ein regionales Versorgungsangebot “aus einer Hand” bedeuten und viele bestehenden Hindernisse, wie etwa Schnittstellenproblematik, Leistungsverschiebungen, Kommunikationsprobleme, etc. mit einem Schlag beseitigen.

Bis dies irgendwann Realität ist, werden Akutpatienten zu Randzeiten und am Wochenende weiterhin in überfüllten Spitalsambulanzen qualvoll ausharren müssen oder – mit Glück – eine Gruppenpraxis wie das Medico Chirurgicum in ihrer Nähe haben.

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